Vier Tage Freiheit
Von El Bolsón nach Gualeguaychú
Auf der Karte ist es nur eine Linie: von El Bolsón im Süden bis nach Gualeguaychú im Osten. In Wirklichkeit waren es vier dichte Tage, weit über 1.800 Kilometer und eine Reise durch Berge, Pampa, Feuchtgebiete und große Verkehrsachsen.
Abschied und Ankommen in der Freiheit
Der Abschied vom Campus und von Alba fiel mir schwer. Zurückzubleiben und einfach weiterzuziehen, fühlt sich nie ganz leicht an. Doch kaum sitze ich wieder in Möhre, spüre ich dieses vertraute Kribbeln. Das ist meine Freiheit: wenn die Landschaft an mir vorbeizieht, der Motor brummt und sich mein Leben auf Straße, Himmel und Horizont reduziert. Oft verbringe ich die Nächte zusammen mit LKW‑Fahrern auf Tankstellen. Für viele klingt das vielleicht seltsam, aber genau dort fühle ich mich erstaunlich sicher und gut aufgehoben – mittendrin im echten Unterwegs‑Leben.
Der unerwartete Umweg bei Neuquén
In der Nähe von Neuquén stand ich plötzlich vor einer neu gebauten Brücke. Sie sah nach einer schnellen Verbindung aus, aber die Durchfahrtshöhe reichte nur für niedrigere Fahrzeuge. Möhre ist einfach zu hoch, also blieb mir nichts anderes übrig, als umzudrehen. Aus einem geplanten Schlenker wurde ein großer Umweg. Wieder einmal zeigte sich: Die Karte erzählt eine andere Geschichte als die Realität dort draußen.
Der Tag, der nicht enden wollte
An einem der Tage verwandelte sich die Straße in eine echte Geduldsprobe. Schlaglöcher, Baustellen, zerfahrener Asphalt – über lange Strecken fühlte es sich an, als würde ich nur im Schritttempo vorankommen. Diese Straße wollte einfach nicht enden. Kilometer um Kilometer sah alles gleich aus, und die Zeit schien stehen zu bleiben. Gleichzeitig war da diese besondere Stimmung unterwegs: Die Lastwagenfahrer, die mir entgegenkamen, grüßten freundlich mit Lichthupe, Handzeichen oder einem Lächeln. Ihre Gelassenheit auf diesen chaotischen Straßen wirkte ansteckend.
Pampa, Weite und ein Hauch von Afrika
Nach den anstrengenden Abschnitten öffnete sich die Landschaft. Die Pampa empfing mich mit ihrer typischen Weite. Der Horizont rückte kaum näher, und die Landschaft veränderte sich nur langsam. Zuerst wirkt diese Leere fast monoton, doch mit der Zeit macht sie den Kopf frei. Himmel, Erde, Straße – und dazwischen nur Möhre und ich. Je weiter ich fuhr, desto mehr kamen Farbe und Struktur zurück. Es wurde grüner und gleichzeitig herbstlicher. Bäume säumten die Strecke, ihre Blätter leuchteten in warmen Tönen. Die Gräser schimmerten in hellem Beige. In einem Moment dachte ich: So muss Afrika aussehen.
Feuchtgebiete und das Leben im Wasser
Später führten mich die Straßen durch Feuchtgebiete. Wasserflächen und Lagunen prägten das Bild, das Licht spiegelte sich auf der Oberfläche. Hier hatten unzählige Wasservögel ihr Zuhause gefunden. Pelikane und andere Vögel glitten über das Wasser oder ruhten an den Ufern. Nach so vielen trockenen, staubigen Kilometern fühlte sich diese Wasserwelt wie eine Belohnung an. Die Geräusche und die Stimmung waren völlig anders und taten unheimlich gut.
Auf breiten Straßen Richtung Osten
Mit jedem Kilometer rückte Buenos Aires näher, auch wenn ich die Stadt selbst rechts liegen ließ. Die Straßen wurden breiter, aus Landstraßen wurden nach und nach richtige Autobahnen. Doch Autobahn heißt hier nicht, dass sie nur den Autos gehört. Ich fuhr an Fahrradfahrern und Fußgängern vorbei, die sich die Fahrbahn ganz selbstverständlich mit den Fahrzeugen teilen. Riesige Brücken spannten sich über Flüsse und Feuchtgebiete. Möhre arbeitete sich tapfer voran, während ich mich weiter ostwärts orientierte – Schritt für Schritt dem Ziel entgegen.
Ankunft in Gualeguaychú
Als ich schließlich in Gualeguaychú ankam, fühlte es sich nach mehr an als nur einem neuen Punkt auf der Landkarte. Es war das Ende von vier intensiven Tagen voller Umwege, holpriger Straßen, Weite, Farben, Wasser und Begegnungen. Möhre und ich sind heil angekommen – staubig, müde, aber unendlich dankbar. Für diese Freiheit auf vier Rädern und für all das, was die Straße zwischen El Bolsón und Gualeguaychú mir geschenkt hat.

Irgendwo zwischen Traum und Abenteuer, auf den Straßen der Freiheit. Mit meinem treuen LKW
entdecke ich atemberaubende Landschaften, begegne spannenden Menschen und lasse mich von
neuen Kulturen inspirieren. Die Welt ist groß, und jede Reise birgt unzählige Geschichten,
die nur darauf warten, erzählt zu werden.